| Lisa Catena - Hinderzimmer (Sound Service)
VÖ: 25.09.2009
Nein, sie hat keine grosse Stimme, diese junge Frau aus Bern. Aber Lisa Catena hat etwas zu sagen. Mit ihrer oft mädchenhaft unschuldig anmutenden Stimme vertraut sie dem Mikrophon Wahrheiten an, die dem Zuhören ein warmes Herz und hin und wieder sogar heisse Ohren bescheren.
Skizzenhaft entwirft sie mit ihren Liedern eine Welt, die wir kennen und dank ihren Worten dennoch mit neuen Augen betrachten. Wenn sie von Unentschlossenheit singt, wird das Scheitern zur Chance („ Villech u villech nid e igentlech immer, nume itze grad nid “) und Liebe, die zu Ende geht, birgt den Keim des Neuen in sich. Ohne ein Wort zu viel, trifft sie punktgenau die Befindlichkeit der Generation der Mitt- und Endzwanziger. Dann, wenn Leben und Lieben nicht mehr nur unverbindlich-fröhliche Abenteuer sind, sondern schon Wurzeln und auch mal kleinere und grössere Wunden schlagen.
Lisa Catena hat ihre musikalischen Sporen als Gitarristin in wilden Punkbands abverdient. Dass sie heute Berndeutsch schreibt und singt, ist einer – längst verflüchtigten –Liebesgeschichte zu verdanken: Der Angehimmelte verstand schlicht und einfach kein Englisch, also schrieb ihm Lisa Catena ein Liebeslied und somit ihren ernsten Song in Mundart. Der Mann hat den Song nie erhalten, den plötzlich war er gar nicht mehr so wichtig – die junge Bernerin hatte gerade ihre wahre Liebe entdeckt; die zu ihrer Muttersprache, zum Berndeutsch.
Lisa Catena singt, wie sie parliert; dies macht die Qualität und Treffsicherheit ihrer Chansons aus. Hier gibt es keine wohlklingenden hohlen Phrasen, hinter denen man sich verstecken könnte. Zwischen der Macht der Worte und der Unzulänglichkeit der Sprache entstehen Lieder, die das Leben aus der sehr persönlichen Sicht einer Endzwanzigerin beschreiben. In einer Welt, die nicht immer hält, was man sich von ihr verspricht, werden Lisa Catenas Lieder zur bittersüssen Keule gegen die harte Realität und bringen wunderbare Hoffnung auf das kleine und das grosse Glück.
Auch wenn es einfach wäre, ihre Musik in eine Reihe mit den zahlreichen bemerkenswerten Singer/Songwriterinnen zu stellen, die unser Land gerade hervorbringt – ihrem musikalischen Stil würde dies nur bedingt gerecht: Vom Vater reichen Lisa Catenas Wurzeln in den tiefsten Süden Italiens, ihre Eltern lernten sich in Lausanne kennen, wo Catenas Vater wie viele seiner Landsleute Arbeit und ein Leben fern der Heimat fand. Das Kinderzimmer wurde früh mit Adriano Celentano, Paolo Conte oder Serge Gainsbourg beschallt und bis heute wurzelt Lisa Catenas musikalische Inspiration tief im franko-italienischen Liedgut.
Mit den grossen Cantautori und Chansoniers verbindet sie die Absage an Schnörkel und Firlefanz. Einfache, elegante Melodien bilden das Rückgrat ihrer Musik, die nie mehr Instrumente aufbietet als nötig. Ihre Mitmusiker – Jüre Walter (Piano, Akkordeon, Kontrabass), Ivo Ubezio (Kontrabass, Gitarre), Bidoo Lädrach (Schlagzeug) – tragen sie unaufdringlich auf Händen. Der Sound wird bei Lisa Catena nie zum Selbstzweck, er ist der Teppich, auf dem diese Strassenhändlerin der Fantasie ihre wunderbare Ware voll melancholischer Fröhlichkeit feilbietet. Ein Teppich, der durchaus das Zeug zum Fliegen hat.
Website:
www.lisacatena.ch |
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