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Brendan Adams Group - Better Days (Boomslang)
VÖ: 11.06.2010

Wenn im WM-Jahr ein junger südafrikanischer Singer-Songwriter aus Kapstadt ein Album mit 14 entspannten Popsongs voller Licht, Wärme und ausgesprochen eingängigen Hooklines veröffentlicht, liegt der Sachverhalt klar auf der Hand: Am Kap der guten Hoffnung stimmt man sich auf einen sehr lässigen Sommer ein.

Hoffnung war allerdings lange rar gesät im Leben des Brendan Adams. Der Sänger und Songwriter stammt aus den düsteren Cape Flat-Ghettos bei Kapstadt und seine Lebensgeschichte liest sich eher wie ein hyperrealistischer Kriminalroman als ein Sommermärchen. “Mein Körper ist die Landkarte meines Lebens”, erklärt Brendan, “all die Narben erzählen von dem, was hinter mir liegt.”

Diese Narben sitzen tief in seiner Haut, Stichwunden und Schußwunden, Spuren der Kindheit im Ghetto, in dem Menschen leben, die im Apartheitssystem als “coloured” bezeichnet wurden, weder zu den Schwarzen noch den Weißen gehören. Inmitten der Trostlosigkeit aus Gewalt und Kriminalität verfügt Brendan von Anfang an über ein Stück Glück: sein Vater, ein liberaler Lehrer, ermöglicht ihm Zugang zu Literatur und Musik. Walt Whitman und James Joyce zählen ebenso zu Brendans künstlerischen Einflüssen wie Bob Dylan und Leonard Cohen. Doch Bücher und Platten allein bringen niemanden aus dem Ghetto. “Wenn man dort aufwächst, blickt man auf eine ausgesprochen limitierte Zukunft”, sagt Brendan, “entweder du wirst Gangster oder Drogendealer. Oder, und das ist den meisten meiner Freunde passiert: Du stirbst jung.”

Seine erste Gitarre bekommt er mit zwanzig. Für dieses Geschenk kratzen seine Tanten mühsam Geld zusammen. Von nun an beginnt Brendan seine Erlebnisse und Beobachtungen in Musik auszudrücken, doch ein Leben als Musiker steht noch nicht auf seinem Lebensplan. Vielmehr zufällig treibt ihn ein Gelegenheitsjob 2006 nach Europa, zunächst nach Großbritannien und schließlich nach Zürich, der Wahlheimat seiner Schwester. Sie ermutigt ihn, mehr Vertrauen in sein Talent als Musiker zu setzen und sich einem Publikum zu stellen. Für einen Auftritt bei einer Open-Mic-Veranstaltung im Züricher Kaufleute-Club muss er erst ein Vorspielen bestreiten bevor er auftreten darf. Als er einen der begehrten Plätze im Programm ergattert, ahnt er kaum, dass er an diesem Abend einen kreativen Seelenbruder in Gestalt eines weißen, östereichischen Produzenten und Schlagzeugers namens Alfred Vogel treffen wird. Wieder lenkt ein Zufall Brendans Weg in eine neue Richtung, doch langsam verdichtet sich das Puzzle aus zufälligen Begebenheiten zu einem neuen Lebensbild. Alfred Vogel lädt Brendan zu einer Session ein. Aus einer Session werden zwei, dann zahlreiche, und schließlch entsteht ein erstes Album, “Pearly Sue”, dann ein zweites namens “17 Eternities”. Dabei arbeiten Alfred und Brendan miteinander als gleichberechtigte Partner. Die Arbeitsweise ist einfach: Brenden bringt seine Songs in den Probenraum und gestaltet mit Alfred und Bassist Dominik Neunteufel die Arrangements. “Wir sind richtig gute Freunde geworden”, schwärmt Alfred Vogel, “außerdem haben wir einen extrem ähnlichen Geschmack. Wir mögen die gleichen Dinge.”

Für "Better Days" laden Brendan und Alfred einige europäische und afrikanische Gastmusiker ein. Entsprechend dichter klingt das neue Werk im Vergleich zu den Vorgängern. Afrikanische Beats mischen sich nahtlos in soulige Pop-Melodien. Tatsächlich vereinigt die Brendan Adams Group ihre kulturellen Ergänzungen zu einem einmaligen Mix aus Folk und Popmusik. Mittlerweile erlebt der junge Mann, der sich vor der eigenen Verlorenheit in seine Musik flüchtete, immer mehr “Better Days”, allerdings weit weg von seiner Heimat. “Selbstverständlich liebe und vermisse ich Südafrika, aber ich habe auf meiner Reise neue Perspektiven gefunden, eine neue Sicht auf die Zukunft entdeckt”, resümiert Brendan. Und das hört man in jedem einzelnen Song; das klingt aus jeder Zeile, gerade aus denen, die den Alltag in Cape Flat besingen. Wenn man “Better Days” mit einem Ohr am Herzen des weltreisenden Sängers hört, dann ist am Ende doch viel Hoffnung zu hören, von dort unten, aus der Zerrissenheit am anderen Ende Afrikas bis in die unendliche Vielfalt Europas.

Website:
Brendan Adams Group

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