| Valium21 - Züri rännt! (Fontastix)
VÖ: 03.09.2010
Das kennen wir: die ansteckende Rastlosigkeit von uns wahnsinnig beschäftigen Leuten, die täglich durch Bahnhofshallen und Unterführungen eilen, als wäre es ein Spiel, bei dem man nie anhalten darf. Und die Ruhe, die erst dann einkehrt, wenn leere Energy-Drink-Dosen einsam S-Bahn fahren. Doch wie klingt es, wenn eine Band dazu die passende Lautsprecherdurchsage liefert - mit Worten, die sich nicht ins Englische übersetzen lassen, weil Zürich eben Zürich ist, und nicht London? Solche Texte kombiniert das Quartett Valium21 mit dringlichen Gitarrenriffs und groovigen Beats zu wildem Indie-Rock, der jeden urbanen Marathonläufer zurück auf die Tanzfläche lockt. Der Bandname steht als sarkastisches Symbol für das steigende Bedürfnis der modernen Leistungsgesellschaft nach innerem Frieden und Ablenkung.
Bohdan Mikolasek ist als Sohn eines tschechischen Liedermachers mit der Musik aufgewachsen, und sie hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Als Sänger und Songwriter ist er so etwas wie das Mastermind der Band, doch erst die ganze Mannschaft macht aus der Musik grosses Kino. Mit Jörg Hennecke hat Mikolasek den „besten Schlagzeuger der Welt“ getroffen, der dem Sound auf höchstem Niveau die typische, druckvolle Dynamik und ausgefallene Details verleiht. Philippe Haldimann wurde vor mehr als zwei Jahren zur Verstärkung der Gitarrenfraktion an Bord geholt und sorgt seither für die eingängigen Leadmelodien. Manuel Löwy komplettiert die Band als Bassist in der heutigen Besetzung und bringt aus seiner bisherigen Erfahrung groovige und angezerrte Bassklänge mit.
Schauplatz der Musik ist Zürich. Hier fand die Band im Jahr 2000 nicht nur zusammen, die Impressionen der Limmatstadt und die Verbundenheit zu ihr spiegeln sich auch in den Songs von VALIUM21. Konsequent auf Schweizerdeutsch und mit einer guten Portion Lokalkolorit porträtieren sie Menschen in und um die Zwinglistadt. VALIUM21 erreichen so eine Nähe und Dringlichkeit wie man sie sonst nur bei englischen und amerikanischen Indiebands beobachten kann, die auf ähnliche Art über die Geschehnisse in ihrem Umfeld berichten. Mit ihrem lärmigen „Turbo-Pop“, wie Mikolasek den Stil der Band zu nennen pflegt, schafft die Band eine einzigartige Nische in der Schweizer Indie-Musik.
Nach dem Debut Natriumliecht (2001) wurde der Nachfolger Blau vom Himmel (2003) im Dala Studio bei Admiral James T aufgenommen. Gleichzeitig erspielte sich die Band an zahlreichen Konzerten eine kleine, aber stetig wachsende Anhängerschaft. Mit der Veröffentlichung des dritten Albums Sonarzwilling (2006) beim feinen Indielabel Goldschatz rückte VALIUM21 erstmals ins Blickfeld der Medien und konnte sich als neuartige Bereicherung der Schweizer Musiklandschaft viel Lob einholen.
Für ihre neue EP haben VALIUM21 den britischen Produzenten George Shilling (Blur, Primal Scream, My Bloody Valentine) an Bord geholt. Dieser hat der Band einen bemerkenswerten Sound verpasst, der in seiner Ausgelassenheit stark an Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand erinnert. Fans moderner Gitarren-Combos dürfen sich dementsprechend freuen, wenn die Band diesen Herbst mit den neuen Songs im Koffer wieder an die Öffentlichkeit tritt!
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